Abzocke: Telefon-Betrüger will 94-Jährigen ausnehmen – und landet beim FBI-Chef

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Man kennt die E-Mails: Irgendjemand hat aus irgendeinem Grund große Mengen Geld herumliegen, die er dringend loswerden muss. Einzige Voraussetzung ist eine saftige Vorabzahlung. Immer wieder versuchen Betrüger, auf diese Weise per Mail oder Anruf ihre Opfer um ihr Erspartes zu bringen. Auch William H. Webster bekam solch einen Anruf. Und erwies sich als das denkbar schlechteste Opfer.

Dabei legte der Betrüger gut vor: 15,5 Millionen Dollar sollten der 94-jährige Webster und seine Frau gewonnen haben, sie müssten nur die Steuern von 50.000 Dollar vorab zahlen, versprach der Anrufer. Im Laufe einiger Wochen rief er gleich mehrfach an, wurde zunehmend ungeduldig. Am Ende drohte er den Websters dann völlig offen. Er beschrieb in den Anrufen ihr Haus, drohte damit, es niederzubrennen und sie zu erschießen, wenn er keine 6000 Dollar von ihnen bekämen. Der Anrufer fühlte sich sicher. Selbst CIA und FBI würden ihn nie finden, gab er am Telefon an.

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Falsches Opfer

Das wusste Webster besser. Der Rentner war schließlich nicht irgendwer – sondern hatte in seiner langen Karriere gleich zwei der größten US-Dienste geleitet. Von 1978 bis 1987 war er Direktor der Bundespolizei FBI unter den Präsidenten Carter und Reagan, von 1987 bis 1991 leitete er dann unter Reagan und Bush den Auslandsgeheimdienst CIA. Entsprechend kostete es ihn nur einige Anrufe, um den Erpresser als den Jamaikaner Keniel Aeon Thomas zu identifizieren. Webster hielt Thomas mit Teilzahlungs-Angeboten hin, ab dem zweiten Anruf hörte dann schon das FBI mit.

Für eine Auslieferung waren die Vorwürfe aber nicht ausreichend. Sie war aber auch gar nicht nötig: Als Thomas 2017 für einen Verwandten-Besuch in New York einreiste, wurde er noch am Flughafen festgenommen. Am Freitag wurde er zu fast sechs Jahren Gefängnis verurteilt, danach wird er nach Jamaika abgeschoben. Die Websters waren nicht seine einzigen Opfer: Mehr als 30 Menschen soll er abgezogen haben. Ein 82-Jähriger bezahlte alleine 600.000 Dollar, ein weiterer Mann 87.000 Dollar.
Die genutzte Abzock-Masche ist wegen der großen Beliebtheit in dem afrikanischen Staat als “Nigeria Connection” bekannt. Obwohl es sie seit den 70er Jahren gibt, ist sie immer noch extrem erfolgreich. 2015 hätten US-Amerikaner über dieses Betrugsmodell laut dem FBI 275 Millionen Dollar verloren, berichtet “Ars Technica”. 2017 seien es schon 675 Millionen Dollar gewesen. Die Krönung des Betrugs, die Abzocke aus dem Weltall, können sie hier nachlesen.

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Quellen: Washington Post, Ars Technica, CNN

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