Angst vor Massenschießereien – für 48 Millionen Dollar wird diese Schule zur Festung umgebaut

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Eine High-School in Michigan wird zu einer Festung umgebaut. Eine neuartige Architektur soll es möglichen Massenmördern so schwer wie möglich machen. Die Stadt Fruitport lässt sich die Sicherheit der Schüler einiges kosten. Insgesamt werden 48 Millionen US-Dollar in den groß angelegten Umbau investiert, von denen allerdings nicht allein sicherheitsrelevante Umbauten bezahlt werden.

“Unser Schulgebäude wird das sicherste Gebäude im ganzen Bundesstaat Michigan sein, wenn es geöffnet wird”, sagte Superintendend Szymoniak dem Sender “WZZM”. 2021 soll der Bau fertig sein. Szymoniak geht davon aus, dass die neue Fruitport High School wegweisend sein wird und ihre Anregungen von Schulleitungen und Sicherheitsexperten im ganzen Land wahrgenommen werden. “Die Designelemente sind ein natürlicher Teil eines Gebäudes, das in die Zukunft weist.”

Bedrückende Gefahr

Der Superintendend hat viel über die letzten Massenschießereien in Schulen nachgedacht. Leider seien diese Massenmorde für Schüler und Lehrer zu einer immer bedrückenderen Wirklichkeit geworden. “Ich will diese Gespräche mit ihnen nicht weiter führen müssen”, sagte er. “Ich will mir keine Sorgen machen, darum haben wir eine Schule entworfen, deren Anlage einen Schützen verhindern soll.”

Die Regelmäßigkeit der Massenschießereien in den USA gaben den Anstoß für die massive Renovierung des Gebäudes, sagte Szymoniak der “Washington Post”. “Ich weiß nicht, ob das jetzt die neue Normalität ist, aber die Entwicklung gibt sicherlich Anlass zur Sorge”, so Szymoniak. “Wenn ich zur Fruitport High School gehe und ein Massaker anrichten will, weiß ich jetzt, dass dort die Sichtweite reduziert ist. Das hat die Fähigkeit eines Schützen, Schaden anzurichten, eingeschränkt.”

In Beton gegossene Sicherheit

Matt Slagle, der Architekt und Sicherheitspolizist der Designfirma TowerPinkster, hat Sicherheitseinrichtungen vermieden, die sich abschalten lassen. Häufig sind die Schützen ehemalige Schüler oder andere Insider, die derartige Sicherungen umgehen können. Darum wurde die Sicherheit schon in die Form des Gebäudes integriert. Absolute Sicherheit bietet aber auch dieses Gebäude nicht. “Wir werden die Schulen nie ganz sicher vor jemandem machen, der Schaden anrichten will”, so Slagle.

Auch das Design der Fruitport High School kann nur versuchen, die Zahl der Opfer zu begrenzen. Matt Slagle entwirft auch Gefängnisse, im Falle der Schule musste er ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und einer Architektur finden, in der sich die Schüler auch willkommen fühlen.

Minimierung des Schussfeldes

Grundidee ist es dabei nicht, jedes Klassenzimmer in einen Bunker zu verwandeln. Hauptanliegen ist es, die Übersichtlichkeit der Schule zu zerstören. Lange Gänge, große Galerien und großzügige Fensterfronten stehen für eine moderne und offene Architektur – doch eine lange Line of Sight bedeutet auch eine freie Schusslinie. Anstatt gerader Flure werden nun geschwungene Gänge angelegt, die das Schussfeld drastisch reduzieren. Sie sollen Schülern auch die Flucht ermöglichen, da der Schütze nur wenige Meter kontrollieren kann. Besonders kritisch in den bestehenden Schulbauten sind zentrale Punkte wie ein Foyer, zu dem alle wichtigen Gänge hinführen. Von so einem Punkt aus, kann ein einzelner Schütze derzeit das ganze Gebäude beherrschen.

Im neuen Gebäude sind nicht allein die Gänge gebogen, zusätzliche Betonbarrieren sollen den Schülern Deckung bei Beschuss geben. Werden sie versetzt angebracht, kann eine Flucht möglich sein, auch wenn sich der Schütze im gleichen Gang befindet. Neu sind diese Gedanken nicht. Die Bunker und Grabensysteme des Ersten Weltkrieges folgten ähnlichen Überlegungen. Die Schützengräben wurden aus den gleichen Gründen im Zickzack angelegt und mit Barrieren und Schutzmulden in den Wänden versehen.

Ähnlich wie in militärischen Anlagen hat die Verwaltung die Möglichkeit, Räume und Flure automatisch abzuriegeln, sodass ein Angreifer in einem Segment eingeschlossen wird und sich nicht weiter im Gebäude bewegen kann. Verstärkte Türen und spezielle Folien an den Fenstern machen es sehr schwer, in die Klassenräume einzudringen. Jedes Klassenzimmer hat außerdem eine “Schattenzone” in der sich Schüler verbergen können, sodass ein Schütze, der in den Raum blickt, nicht erkennen kann, ob überhaupt Schüler in dem Raum sind.

Quelle: TowerPinkster, Washington Post


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