B-47 Atombomber: Pilot John Lappo macht damit den Stunt des Jahrhunderts

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Im Frühjahr vor sechzig Jahren konnten die Anwohner der Mackinac Bridge in Michigan nur staunen: Über dem Wasser tauchte ein gewaltiger sechsmotoriger Atombomber der Air Force auf. Die B-47 hielt genau auf die Brücke zu und tauchte unter ihr durch. Fliegerisch war das eine gewaltige Leistung – zwischen Brücke und Wasser sind nur etwa 45 Meter und die reine Höhe der B-47 lag schon bei 8,5 Metern. Der kleinste Fehler mit der schwerfälligen Maschine hätte zur Katastrophe geführt.

Nach Angaben des Militärportals “Task & Purpose” war die B-47 zudem nicht gerade ein sicheres Flugzeug. Zehn Prozent der gebauten Maschinen stürzten ab, das sind 203 Flugzeuge. Dabei starben 464 Männer. Doch Captain John S. Lappo war nicht irgendein Pilot. Der 39-Jährige war ein hochdekorierter Offizier, der 15 Jahre lang im Cockpit saß und auf 5700 Stunden Flugerfahrung zurückblicken konnte. Seine Laufbahn begann gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. 1948 quittierter er den Dienst, wurde aber 1951 wegen des Koreakrieges wieder eingezogen. Er flog 28 Bombardements über Nordkorea in einer B-29.

Genau so berühmt ist dieses Bild: Eine Mig taucht in Sibirien unter einer Brücke durch. Doch leider ist es eine Montage.

Genau so berühmt ist dieses Bild: Eine Mig taucht in Sibirien unter einer Brücke durch. Doch leider ist es eine Montage.

Kampfeinsätze über Korea

Die B-29 war der modernste Bomber des Zweiten Weltkriegs. Für die damaligen Propellerflugzeuge war sie wegen ihrer Flughöhe kaum zu erreichen. Doch über Nordkorea sah das anders aus, da hier moderne Düsenjäger russischer Bauart Jagd auf die schwerfälligen Bomber machten. Sein Flugzeug mit dem Namen “Command Decision” galt als bekanntester Bomber der Air Force. Sein Zeichen war nicht ohne Witz. Auf der Nase der “Entscheidung des Kommandos” waren zwei Zwerge aus dem Disneyfilm “Schneewittchen” abgebildet, die ziemlich ratlos auf eine Weltkugel blickten. Nach dem Koreakrieg soll Lappo – nun mit der B-47 –  streng geheime Spionage-Missionen über der UdSSR geflogen haben.

Kurzum: Lappo war einer der besten Piloten der Air-Force. Später sagte er, dass er nur zwei Fahrzeuge im April 1959 auf der Brücke sah, ein Auto und ein Lastwagen, als er seiner Crew zurief: “Ich bring sie runter!” Lappo flog ein außerordentlich gewagtes Manöver. Er senkte die Maschine nicht langsam ab, sondern drückte sie in eine Parabelbahn. An ihrem Scheitelpunkt unterquerte er die Brücke. Für Außenstehende sah das nach Wahnsinn aus. Aber für Lappos Crew war der Stunt der Beweis dafür, was ihre Maschine leisten konnte. In ihren Augen war das eines der “schönsten Manöver” die je von einem Piloten der Luftwaffe geflogen wurden.

Das Gefühl für das Abenteuer

Auf die Frage, warum er es getan habe, antwortete der Pilot später: “Warum steigen Männer auf Berge? Oder was motiviert sie, ins All zu gehen? Es ist das Gefühl für Abenteuer, das manche Männer spüren und andere eben nicht.” Er habe schon immer unter einer großen Brücke hindurch fliegen wollen. “Zuerst sollte es die Golden Gate Bridge sein. Doch als ich im Osten flog, war ich nur Co-Pilot. Und konnte den Piloten nicht überzeugen, es zu tun.”

Nur ein neu zur Crew hinzugekommener Navigator war nicht begeistert. In einem Interview sagte Lappo später: “Ja, der Navigator war gleich dagegen. Natürlich hatte ich damals keine Ahnung, dass er der Sohn des Generals war und dass er mich verraten würde, sobald wir in Lockbourne gelandet waren.” Lappo kam vor ein Kriegsgericht und musste eine mäßige Geldstrafe von 300 Dollar zahlen. Das war noch zu verschmerzen, aber er wurde aus dem Cockpit verbannt. Nach einigen Jahren schied er aus dem Dienst aus. Doch für ihn hatte sich der Stunt, den andere nie verstehen würden, gelohnt. Er sagte: “Wie kann man die Gefühle beschreiben, die ein Mann erlebt, wenn er zum ersten Mal eine schöne Frau sieht und sich verliebt? Wie kann jemand die Erleichterung verstehen, die man spürt, wenn man in feindliche Linien eindringt, die Flak-Artillerie vermeidet, während man seine Bomben abwirft und die Maschine dann wieder lebendig zurückbringt? Manche Gefühle sind schwer zu beschreiben, aber ich kann Ihnen sagen, es war berauschend, gelinde gesagt!”

Quelle: Alaskan’s assault on the Mackinac Recalled

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