Dorf aus dem 3D-Drucker | STERN.de

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Prototypen, Autoteile oder sogar menschliche Organe – es gibt anscheinend kaum etwas, was 3D-Drucker nicht drucken können. Da wundert es kaum, dass ein Bautechnologie-Startup aus Austin (Texas/USA) gleich ganze Häuser mit einem 3D-Drucker erstellt. Das Unternehmen heißt Icon und denkt jetzt noch größer als nur in Einzelhäusern. Zusammen mit der Nonprofit-Organisation New Story, die schon häufiger in El Salvador, Mexiko und Bolivien herkömmliche Häuser für Arme errichtet hat, soll nun ein ganzes Dorf in Südamerika aus gedruckten Häusern entstehen. 50 Gebäude sollen es zum Schluss sein, in die bedürftige Familien schon ab dem Sommer einziehen können. Die Grundstücksgrößen liegen bei 120 Quadratmetern, während die eingeschossigen Gebäude eine geplante Grundfläche von etwa 55 Quadratmeter haben werden. Braucht die Familie später mehr Platz, lässt sich auf dem Dach nachträglich sogar eine zweite Etage errichten.

Mein Block – das Haus aus dem Drucker

Herkömmliche 3D-Drucker aus der Industrie sind für einen Hausbau natürlich zu klein. Da muss es schon Größeres sein: Dreieinhalb Meter hoch und gute zehn Meter lang ist das Ungetüm mit dem Namen “Vulcan II”, das Icon für diesen Zweck entwickelt hat. Als Material kommt ein breiiger Beton zum Einsatz, der in einzelnen Strängen aufgetragen wird und nach und nach eine Wand bildet. Das ergibt natürlich zum Schluss keine gerade Fläche, sondern eine Wand mit Rippen. Auf dem ersten Blick wirkt das ungewöhnlich, hat jedoch auch einen gewissen ästhetischen Anspruch und eine lebendige Struktur. Auch können gleich beim Errichten Arbeitsplatten zum Beispiel in der Küche, Sitzbänke an der Wand oder auch Regale mitgedruckt werden. Das spart Zeit für den Innenausbau.

Ruckzuck, ein Haus entsteht

Nicht nur den weiteren Ausbau erleichtert das 3D-Verfahren. Der Hauptvorteil der Bauweise ist natürlich der enorm schnell erstellte Rohbau: In lediglich 24 Stunden ist er erfolgt. Das Dach wird anschließend als gesonderte Betonplatte aufgesetzt, wenn die Wände getrocknet und belastbar sind. Kostengünstig ist der Druck außerdem: Weniger als 4.000 Dollar soll die Rohform des Hauses kosten. Und Abfall wird größtenteils vermieden, da das Baumaterial direkt  ohne Zwischenschritte in seine spätere Form gespritzt wird.

Wie wird das Leben in den Häusern sein?

Trotz des Baustoffs Beton wird die fertige Siedlung später keine graue Tristesse verströmen.

Farbstoffe in der Betonmischung erlauben eine individuelle Gestaltung der Häuser in vielfältigen Farben von Gelb, über Rot und Türkis bis Blau. Das Dach ist außerdem überhängend konstruiert. Das bietet nicht nur Schutz vor Sonne und Regen, sondern bildet auch einen Terrassenbereich als nachbarschaftlichen Treffpunkt, wo sich auch eine Outdoor-Küche befinden wird. Innen werden die Häuser mit einfachen Holzmöbel ausgestattet sein.

Wo genau in Südamerika die Häuser entstehen, wird von den beteiligten Partnern vorerst noch nicht bekannt gegeben. Es soll sich jedoch um einen ländlicheren Standort handeln und die Familien, die einziehen, leben derzeit hauptsächlich von Landwirtschaft und einfachem Handwerk. Die neuen Häuser sollen ihnen nun ein sicheres Zuhause und Schutz vor Naturgewalten bieten und letztendlich den Weg aus der Armut erleichtern.


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