Iron Dome – Warum konnte Israels Abwehrschirm die Hamas-Rakete nicht abfangen?

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Kernstück der Verteidigung Israels gegen Raketenangriffe der Hamas ist der sogenannte Iron Dome. Wie andere Abwehrsysteme auch erfasst der Iron Dome angreifende Raketen und versucht, diese Flugkörper mit eigenen Abwehrraketen abzuschießen.

Von Systemen wie den russischen S300, S 400, S 500 oder dem Patriot-System aus dem USA unterscheidet sich der Iron Dome aber merklich. Er ist speziell auf die besondere Bedrohungslage in Israel abgestimmt. Er schützt gewissermaßen die Kurzstrecke – die maximale Reichweite einer Rakete beträgt nur 70 Kilometer. Eine Batterie baut aber keine Schutzkuppel von 70 Kilometern Radius auf. Die effektive Reichweite deckt eine Zone von nur sieben Kilometer Radius ab, das sind etwa 150 Quadratkilometer.

Abwehr auf der Kurzstrecke

Dies heißt aber nicht, dass der Iron Dome anderen Systemen unterlegen ist, denn da er auch Raketen abfangen soll, die in geringerer Entfernung abgefeuert werden, muss das System extrem schnell reagieren. Der Iron Dome soll sogar in der Lage sein, Artilleriegranaten schwerer Kaliber abzufangen.

Eine Batterie besteht aus einem Radar (EL/M-2084-Multi-Mode-Radar), einem Kontrollzentrum und bis zu vier Startern mit je 20 Raketen. Eine Einheit kann gleichzeitig sechs angreifende Objekte erfassen. Wegen des geringen Zeitfensters verlaufen die Abläufe weitgehend vollautomatisch. Das System erfasst einen Start, berechnet Flugbahn und Einschlagstelle und empfiehlt einen Einsatz – der dann freigegeben werden kann. Zusätzliches Feature: Das System kann zwischen geschützten Gebieten (Siedlungen) und Flächen wie Wüsten unterscheiden, die nicht verteidigt werden.

Iron Dome verwendet sehr günstige Raketen

Die besondere Situation in Israel bringt es mit sich, dass der Iron Dome regelmäßig zum Einsatz kommt und nicht nur auf einen Ernstfall wartet, der dann nie eintritt. Besonderer Wert wurde daher auf eine vergleichsweise kostengünstige Lösung gelegt. Während eine “normale” Luftabwehrrakete wie die RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile von Raytheon zwischen 640.000 und 800.000 US-Dollar kostet, ist der Iron Dome wesentlich billiger. Ein Schuss soll nur 20.000 Dollar kosten. Jedem einfliegenden Objekt begegnen die Israelis nach Möglichkeit mit zwei Abwehrraketen, um so die Wahrscheinlichkeit eines Abschusses (Kill-Rate) zu optimieren. Die Kosten betragen damit “nur” 40.000 US-Dollar pro Abwehr. Für weitrechende Raketen hat Israel seit 2017 das System Davids Sling eingeführt, hier werden wesentlich teurere Stunner-Raketen eingesetzt.

In der Vergangenheit hat sich der Iron Dome durchaus bewährt. Angeblich soll die Kill-Rate pro Schuss bei 90 Prozent liegen, bei einem Doppelschuss wären das fast 99 Prozent. Diese Angaben sind aber umstritten. Doch anders als manche Berichte über den angeblich undurchdringlichen Schild Israels nahegelegt haben, ist das System natürlich nicht perfekt. Wie alle derzeitigen Luftabwehrsysteme ist der Iron Dome nicht in der Lage, extrem schnelle Hyperschallwaffen abzufangen. Da die Hamas und auch andere potenzielle Gegner nicht über Derartiges verfügen, ist dieser Punkt nicht entscheidend. Wichtiger könnte sein, dass die angreifenden Objekte einer ballistischen Bahn folgen müssen, damit die Abwehrrakete trifft. Moderne Raketen können den Kurs im Flug ändern und doch das Ziel exakt ansteuern. Sie könnten das kostengünstige israelische System austricksen.

Grenzen des Iron Dome

Natürlich kann der Iron Dome mit einem simplen “Brute Force”-Angriff lahmgelegt werden. Werden in kurzer Zeit nur genügend Angriffsprojektile abgefeuert, schießt sich die Abwehr-Batterie leer. Ein Anhänger fasst 20 Raketen, reicht also für zehn Angriffe. Schwarmangriffe stellen alle Luftabwehrsysteme vor enorme Herausforderungen. Im Prinzip wäre es möglich, eine ganze Welle von Billig-Raketen und Drohnen loszuschicken und die teuren, tödlichen Waffen so zu starten, dass die leergeschossene Abwehr hilflos ist.

Video: Waffenruhe zwischen Israel und Hamas hält nicht

Diese Situation wird in Israel vermutlich nicht eintreten. Durch die militärische Überlegenheit Israels ist es sehr unwahrscheinlich, dass Terroristen Schwärme mit Dutzenden von Raketen aufsteigen lassen können. Zudem benötigt das israelische Militär nur wenige Minuten, um die Startpositionen auszuschalten.

Warum hat der Iron Dome also versagt? Nach Darstellung des israelischen Militärs hat das System nicht versagt. Es liefert nur keinen vollständigen Schutz von ganz Israel. Die Rakete soll eine Zone getroffen haben, die eben nicht geschützt war. Die Batterien decken nicht das gesamte Gebiet Israels ab, sie werden je nach Analyse der Bedrohungslage stationiert. Mit Verlagerung und der Stationierung weiterer Batterien soll diese Lücke inzwischen geschlossen sein. Grundsätzlich ist es allerdings immer möglich, dass die Hamas die Standorte der auffälligen Batterien auskundschaftet und so mögliche Lücken im Schutzschild aufspürt.

Die Lücken im Schutzschild

Die Hamas hingegen behauptet, dass der Iron Dome die Raketen vom Typ J-80 grundsätzlich nicht abfangen kann, weil sie keiner ballistischen Parabel folgen. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass die J-80 Kursänderungen und Endzielsteuerung absolvieren kann wie eine russische Iskander-Rakete, doch wenn das potenzielle Ziel viele Quadratkilometer groß sein darf, würden auch grobschlächtige Methoden zu einer Kursänderung führen. Für einen militärischen Einsatz wäre so eine Rakete sinnlos, doch bei einem reinen Terrorangriff, bei dem der gesamte Großraum einer Stadt als Ziel gilt, sähe das anders aus.

Quelle: Mostlymissiledefense, Offiziere.ch

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